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Reisen

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Norddeutschland ist mehr als nur Ostseewind und grauer Himmel. Es ist der Geist der Freiheit, der von der Hanse, einem mittelalterlichen Städtebund, der den Seehandel dominierte, überliefert wurde. Heute strahlen diese Städte – Lübeck, Bremen, Rostock – dieselbe Unabhängigkeit aus wie vor 600 Jahren. Beginnen Sie in Lübeck, der „Inselstadt“, deren Straßen sich wie die Grachten Amsterdams schlängeln. Hier wurde das berühmte Marzipan erfunden, und im Niederegger Museum können Sie nicht nur Dutzende von Variationen probieren, sondern auch die Handarbeit beim Formen von Schweinen, Schiffen und Engeln beobachten.

In Bremen sollten Sie nicht das Touristenzentrum aufsuchen, sondern die Bremer Stadtmusikanten – aber nicht die, bei der jeder den Esel streichelt. Schlendern Sie weiter zur Böttcherstraße, wo sich gotische und expressionistische Architekturstile vereinen. Hier, im Café Haus Atlantis, wird Kaffee mit Meersalz und Schokolade serviert – eine Erinnerung daran, dass Bremen seit jeher zum Meer hin ausgerichtet ist. Und samstags erklingen auf dem Marktplatz altmodische Melodien auf einer Drehorgel, sodass man fast meinen könnte, die Brüder Grimm kämen gleich mit einem Brotlaib aus der Bäckerei.

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Wer glaubt, Deutschland hätte keine Berge, war noch nicht in der Sächsischen Schweiz. An der Grenze zu Tschechien haben Sandstein, Wasser und Wind eine Landschaft geschaffen, die an Szenen aus „Der Herr der Ringe“ erinnert. Hier gibt es keine Alpengipfel, dafür aber etwas viel Selteneres: Stille. Wahre Stille. Eine Stille, die einem auf den Ohren liegt und jedes fallende Blatt hörbar macht.

Beginnen Sie an der Basteibrücke, einer Sandsteinbrücke aus dem Jahr 1851, die eine Elbschleife überblickt. Morgens, bevor sich der Nebel lichtet, fühlt es sich an, als stünde man über den Wolken. Boote unten, kaum sichtbar, wirken wie Spielzeug. Erklimmen Sie den Lillenstein, einen der wenigen Gipfel, die mit dem Aufzug erreichbar sind. Errichtet wurde er 1904. Oben angekommen, erwartet Sie ein Café, das „Sächsische Eierschecke“ serviert – einen geschichteten Käsekuchen mit Vanille und Zimt. Das Rezept ist ein streng gehütetes Geheimnis, aber der Geschmack erinnert an die Kindheit.

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Der Rhein ist mehr als nur ein Fluss. Er ist das Herz Deutschlands, eine uralte Lebensader, auf der Schiffe, Legenden und Dichter seit Jahrhunderten ihren Weg gefunden haben. Das Mittelrheintal erstreckt sich von Köln bis Bingen – ein UNESCO-Welterbe, wo jeder Kilometer ein Kapitel der Geschichte erzählt. Beginnen Sie in Koblenz, wo Rhein und Mosel im Schatten der Festung Ehrenbreitstein zusammenfließen. Fahren Sie mit der Standseilbahn flussaufwärts und genießen Sie das atemberaubende Panorama: Zwei Flüsse vereinen sich zu einem, wie zwei Schicksale.

Steigen Sie an Bord eines Flussschiffs und fahren Sie flussaufwärts. Sie passieren die Pfalzburg – einst mitten im Fluss erbaut, um Steuern von den Kaufleuten einzutreiben – und Goichheim, heute ein Weingut, einst Heimat von Rittern. Suchen Sie in Rüdesheim nicht nach Restaurants mit Speisekarten in zehn Sprachen. Stattdessen sollten Sie die enge Drosselgasse betreten, wo die Weinkeller „Weinstube“ genannt werden und die Besitzer am Tisch alte Lieder im fränkischen Dialekt singen. Probieren Sie die lokale „Riesling Spätlese“ – süß, aber nicht aufdringlich, mit einem Hauch von Pfirsich und Mineralität. Sie stammt von hier, an den Hängen, wo die Sonne die Trauben bis Oktober küsst.

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Berlin ist nicht nur eine Hauptstadt, sondern ein lebendiger Organismus voller Widersprüche. Hier trennt nur eine einzige Straßenbiegung das luxuriöse Charlottenburg vom Künstlerviertel Wedding. Beginnen Sie Ihre Reise nicht am Brandenburger Tor, sondern im Kreisberg, wo Betonwände mit Graffiti bedeckt sind, die Geschichten von Migration, Kampf und Hoffnung erzählen. In der Oranienstraße ist jedes Café eine kleine Galerie: Hier servieren Baristas Lattes mit Milchschaum in Form von Picasso-Silhouetten, und Gemälde syrischer Geflüchteter hängen an den Wänden. Dies ist kein „Ghetto“ oder eine „Masse“ – es ist eine Gemeinschaft, in der jeder eine Stimme hat. Und diese Stimme hallt wider in Underground-Jazzclubs, bei Lesungen auf Dachböden und in stillen Momenten am Holocaust-Mahnmal.

Machen Sie einen Spaziergang durch den Tiergarten – mehr als nur ein Park, die „grüne Lunge“ der Stadt, wo unter den Eichen aus dem 19. Jahrhundert noch immer die Echos preußischer Routen zu hören sind. Doch der wahre Zauber entfaltet sich nachts, wenn die Laternen leuchten und die Silhouette der Siegessäule in der Ferne schimmert. Hier, fernab der Touristenmassen, spazieren Berliner mit ihren Hunden, lesen Benjamin auf Bänken oder diskutieren bei einem Glas Riesling über Politik. Und wenn Sie im Tiergarten Café vorbeischauen, begegnen Sie vielleicht einem Künstler, der einen Sonnenuntergang über dem Neuen See in Aquarell malt – und er bietet Ihnen im Tausch gegen eine Geschichte eine Tasse Tee an.

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Deutschland ist mehr als nur ein Land mit hochentwickelter Infrastruktur und perfekter Organisation. Es ist eine Landschaft, in der Geschichte im Stein der Kathedralen lebendig wird, in den rauschenden Wäldern Thüringens flüstert und in den fernen Klängen von Volksfesten widerhallt. Für Reisende, die die üblichen Touristenpfade satt haben, entfaltet sich Deutschland wie eine vielschichtige Symphonie: Jede Region ein Lied für sich, jedes Dorf eine Seite aus einem ungeschriebenen Roman. Beginnen Sie Ihre Reise in Bamberg, einer UNESCO-Welterbestadt, wo enge Kopfsteinpflastergassen zu kleinen Bierhallen führen, in denen Rauchbier ausgeschenkt wird, ein rauchiges Bier nach uraltem Rezept. Hier gibt es keine Menschenmassen, aber eine Atmosphäre, als ob die Zeit langsamer stehen geblieben wäre – und genau das macht ihren Zauber aus.

Versteckt zwischen Fachwerkhäusern und blumenbewachsenen Balkonen liegt Babelsberg – keine Filmkulisse, sondern ein echtes Fischer- und Handwerkerviertel. Schlendern Sie durch „Klein-Venedig“, einen Kanal, der sich durch die Stadt schlängelt. Morgens bringen Holzboote frischen Fisch, und antike Vorhänge flattern wie Fahnen aus längst vergangenen Zeiten in den Fenstern. Probieren Sie die Bamberger Hörnla – ein handgeformtes Kartoffelbrötchen mit Butter und gesalzenem Hering. Es ist mehr als nur eine Mahlzeit – es ist ein Ritual. Jeder Bamberger weiß, wie man sie zubereitet, und jeder Besucher weiß, wie man sie genießt. Nehmen Sie sich Zeit für die Abreise: Abends, wenn die Laternen brennen und sich das Licht auf dem Fluss spiegelt, verwandelt sich die Stadt in ein Märchen, das man am liebsten für immer festhalten möchte.

Von Bamberg aus geht es weiter Richtung Frankfurt, nicht ins Stadtzentrum, sondern in den Vorort Weißenfels. Dort befindet sich in einer Mühle aus dem 18. Jahrhundert eine der wenigen verbliebenen Weinkellereien am Main. Hier werden Weine aus seltenen Rebsorten wie Silvaner und Riesling gekeltert, die andernorts fast vergessen sind. Die Verkostung findet in einer alten Scheune statt, deren Wände mit handgezeichneten Weinbergkarten geschmückt sind. Der Winzer, ein älterer Herr mit sonnengebräunten Händen, erzählt Ihnen, wie sein Großvater 1972 die erste Kelter von Hand baute – und wie sein Wein 2020 in Berlin als „Bester deutscher Weißwein“ ausgezeichnet wurde. Das ist keine Marketingstrategie, sondern gelebte Tradition. Und es lohnt sich, innezuhalten, eine Flasche zu öffnen und einfach zuzuhören.

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