Dann geht es weiter nach Bayern. Nicht nach München, sondern in das Dorf Wiesbaden-Höchstetten, wo der Königsweg im Schatten der Alpen beginnt und zur Burg Hohenzollern führt. Der Weg schlängelt sich durch Wiesen, auf denen Kühe mit Glocken grasen, und durch Wälder, in denen der Wind in den Tannennadeln rauscht. Unterwegs findet man kleine Hütten mit Schildern „Brot und Käse“ – frisches Brot und Käse mit Kräutern, nach einem überlieferten Rezept. Hier gibt es kein WLAN, dafür aber eine Stille, in der man das Fallen der Blätter hören kann. Wenn Sie Anfang September kommen, erleben Sie das Erntedankfest – ein Fest, bei dem die Einheimischen in Tracht erscheinen, alte Lieder singen und Köstlichkeiten aus ihren Gärten mit den Gästen teilen. Das ist keine Show, sondern authentisches Leben, wie es ursprünglich nicht für Touristen gedacht war.
Und nun weiter südlich zum Bodensee. Hier, wo Deutschland, Österreich und die Schweiz aufeinandertreffen, spiegelt sich der Himmel im Wasser. Im Dorf Lindau mit seinem roten Turm und der von einem Löwen geschmückten Mole können Sie morgens auf einer Bank sitzen und den Fischern bei ihrer Rückkehr mit dem Fang zusehen – nicht für den Markt, sondern für ihre Familien. Die örtliche Bäckerei „Zum alten Fisch“ bietet Lindauer Zopf an – ein geflochtenes Brot mit Honig und Mandeln, das traditionell mit heißer Schokolade und Milch von Bauernhöfen aus der Region genossen wird. Hotels mit Pool gibt es hier zwar nicht, dafür aber familiengeführte Pensionen, in denen die Besitzer Sie persönlich kennen, wenn Sie schon einmal da waren. Und an nebligen Morgen, wenn der See in Nebel gehüllt ist und in der Ferne Kirchenglocken läuten, wird einem bewusst: Deutschland ist nicht in den Städten. Es ist hier. In der Stille. In der Einfachheit. Im Hier und Jetzt.
